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Bassus Continuus, oder Bassus pro Organo zu verstehen, derselbige auch zu tractiren und zu gebrauchen, So dann, was sonsten mehr nothwendiges darbey zu erinnern sey: Nemblich, was an einem Organisten, Lautenisten, Harffenisten in gemein decidirt werde, und wie ein jeglicher sein Instrument dessen Art und Eigenschafft nach tractiren und gebrauchen soll. | |
| Der Bassus Generalis seu Continuus wird daher also genennet, weil er sich vom Anfang bis zum ende continuiret, unnd als eine GeneralStimme, die gantze Motet oder Concert in sich begreifet; | |
| Wie dann solches in Italia gar gemein, unnd sonderlich jetzo von dem trefflichen Musico Viadana, novae inventionis primario, als er die Art mit einer, zween, dreyen oder vier Stimmen allein in eine Orgel, Regal, oder ander dergleichen FundamentInstrument zu singen erfunden, an den Tag bracht und in druck ausgangen ist; | |
| Do dann nothwendig ein solcher Bassus Generalis und Continuus pro Organaedo vel Cytharaedo, et cum tanquam fundamentum vorhanden seyn muß. | |
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Von etlichen wird der Bassus Continuus gar accomodé GVIDA, hoc est, Dux, ein Führer, GleitsMann oder Wegweiser genennet. |
| Nun ist der GeneralBaß nicht umb etlicher nachlessigen oder verdrossenen Organisten willen, die ohne das ungern absetzen, sondern fürnemblich darumb erfunden worden; Daß ein Organist, ob er gleich aus demselben im anfang nicht alsobald mit einschlahen könne, doch daraus in seine partitur oder Tabulatur desto leichter bringen, und alsdenn die eine, zween, oder drey Stimmen darüber setzen, und wie es gegen einander stehet, mit besonderm fleiß acht haben, und auffmercken soll. | |
| Dahero er dann darnechst, aus dergleichen Basso generali seine Parten zu machen, sich umbso viel leichter und füglicher darzu gewehnen kan. |
| Es ist auch meines einfältigen erachtens diß der vornembste und beste Nutz des Generalbasses:, daß er, sonderlich einem Capellmeister und andern Musicorum Chororum Directoribus zu gut, ein fein Compendium ist, wenn ein solcher GenberalBaß, fürnemblich in Concertten per Choros, etliche mal abgeschrieben wird; |
| Damit man dieselbe unter die Organisten und Lauttenisten, so nunmehr an grosser Herren Höfen, und in deroselben Fürstlichen Capellen mehrentheils, zu gewinnung der zeit, so sie sonsten uffs absetzen wenden müsten, sich darzu gewehnen, an eim jeden Chor (doch daß derselbe, den ein jeder machen soll, sonderlich bezeichnet, oder mit rother Tinten untersrichen) als bald distribuiren, und der Director auch einen davon sich selbsten behalten könne: Damit er nicht allein des Tacts halben, wenn sich derselbe in Tripeln und sonsten verendert, sondern auch einen unnd dem andern Chor einzuhelffen, den ganzen Gesang vor sich haben möge. |
| Damit aber ein Organist auch wissen möge, welcher gestalt er sich solchen GeneralBaß zu nütz machen, und denselben wohl gebrauchen könne; So hab ich aus vorgedachtes Ludovici Viadanae, und auch Augustini Aggazzarij in ihren operibus vorhergesetzten Instructionibus und Unterricht, den unwissenden zum besten, die fürnembste und nothwendigste Puncten herausser ziehen, und ex Italico sermone in unser Teutsch allhier setzen; Auch meine eigene observationes dabey bringen und anzeigen wollen. | |
| Und muß nu allhie an diesem Ort nicht allein von dem Organisten, Lautenisten, oder andern Instrumentisten, wie derselbe beschaffen seyn soll: Sondern auch von dem Cantori, Concertori oder Sänger (davon im IX. Capitel) gesagt und etwas erkläret werden. |
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sich haben solle | |
| Ein Organist, der aus einem GeneralBaß schlagen will, muß dreyerley Eigenschafften und requisita an sich haben. |
| 1. Muß er den Contrapunct verstehen, oder ja zum wenigsten perfect singen, Auch die Proportiones und Tact oder Mensur recht erkennen, und wissen durch alle Claves, die bösen in güte zu resolviren, auch die Tertias und Sextas majores und Minores, recht zu unterscheiden, unnd dergleichen dinge mehr in acht zu nehmen. |
| 2. Muß er die Partitur oder Noten Tabulatur wol verstehen , und uff den Clavibus, Tastaturen oder Griffen am Kragen seines Instrumentes, Es sey nu eine Orgel, RegalWerck, Laute, Theorba oder dergleichen FundamentInstrument, eine große ubung habe, damit er nicht die Consonantias zusammen betteln, und die (le botte) Schläge oder Griffe, zu dem was man singet, allererst suchen, unnd darauff speculiren müsse: | |
| Weil er weiß, daß alsdann das Auge allzeit uff das Buch, und die Motett, Concert, Madrigal oder Canzon, so er für sich hat, gerichtet und gewand seyn muß, und darumb uff das Clavier, Tastatur oder Griff seiner Orgel, Instruments oder Lauten gar selten und wenig achtung geben kann. | |
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M.P.C. Dieweil aber die meisten Organisten in Deutschland, der deutschen Buchstaben Tabulatur (elche an ihme selbsten richtig, gut, leicht und bequemer ist, nicht allein daraus zu schlagen, sondern auch daruff zu Componiren) sich gebrauchen, und ihnen sehr schwehr fürfallen wollte, von newen zu der Noten Tabulatur oder Partitur sich zu gewehnen: | |
| So ist es wol zum besten gerathen, daß sie im anfang die Concert und Gesänge ganz und gar in ihre gewöhnliche Buchstaben Tabulatur absetzen, und sich darinnen nothdürftig ersehen, wie es allerseits mit dem GeneralBaß ubereinkomme, ob sie darnechst durch fleissige aufmerck- und übung sich zu solchem GeneralBaß auch gewehnen köndten. |
| AA. 3. So muß er ein gut und subtil ohr und Gehör haben, damit er im zusammen stimmen, wenn der Gesang miteinander fortgehet, dem Concentori, das ist, deme der die ConcertatStimmen singet, nach und zuzugeben wisse. | |
| Nun ist es aber unmöglich, einige gewisse Regel zusetzen und zugeben, wie und welcher Gestalt die Cantiones und Stöcke (wie wir es im Teutschen nennen) zuschlagen seyn, wo nicht etliche signa dabey oder drüber gezeichnet werden, welches A. Aggazzarius zwar bekennen muß, gleichwohl aber in allen nicht in acht nimpt. |
| M.P.C. und obwohl L. Viadana in seiner ersten Praefation vermeynet, daß es nicht nötig sey, die signa zu adhibiren, so befindet sichs doch nun mehr, nicht allein in etlichen anderer vortrefflichen und fast der meisten Italiänischen Componisten GeneralBässen, welche dergleichen Concerten mit einer, zween und mehr Stimmen heuffig, sehr schön unnd lieblich im druck herfürkommen und ausgehen lassen; Sondern es ist auch zum höchsten vonnöten, daß sie sich der Signaturen und Ziffern gebrauchen: |
| A.A. In betrachtung, Weil man jedesmal das Componisten seinen Intent, Sinn und Composition nothwendig folgen muß Und aber dem Componisten freystehet, daß er seines gefallens auff eine note eine Quint oder Sext, Terz oder Quart, Ja auch in den Syncopationibus eine Septimam, Secundam; et cetera. Item sextam und tertiam majorem oder minorem (nach dem es ihme bequemer und besser deuchtet, oder es die Wort und der Text erfoddert) setzen kan. |
| M.P.C. Es ist aber unmüglich, daß auch der beste Componist alsobald wissen oder errathen könne, was vor Species von Concordanten oder Discordanten der Autor oder Componist gebraucht habe. |
| Darumb zum höchsten von nöthen, nicht allein vor ungeübte, sondern auch vor wolgeübte und erfahrene Organisten und FundamentInstrumentisten, die Signa und Numeros uber die Noten zuzeichenen. |
| Und kömpt mit gleich jetzo, do ich diß Werck dem Buchdrucker ubergebe, aus Italia eine Praefation des Bernhardi Strozzi in tertio libro, Affetuosi Concerti Ecclesiastici, das ist, anmutige Geistliche ConcertGesänge intituliret, gleich als gewünschet zu handen, darinnen er unter andern eben diese meine Meynung approbiret; und ich dieselbe allhier mit einzusetzen, nicht undienlich erachtet habe. |
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| ""Dieweil ich vielmal befinde, daß in etlichen Baß iscontinuis, oder GeneralBässen der Concerten und anderen Gesängen, keine Signatura Numerorum die Quartas, Septimas, Nonas oder dergleichen dissonantias, oder auch die Consonatias, als Sextas majores und minores, desgleichen Tertias majores und minores zu bezeichen, oben drüber gesetzt werde: | |
| So kan ich nicht unterlassen, klärlich darzu thun und zu probiren, daß solche Numeri gänzlich und zum höchsten von nöthen seyn, es mögen auch andere sagen was sie wollen. Sintemal kein Organist die Gedanken des Componisten wissen oder errathen kan: | |
| Dann wann der Organist würde gedencken, Es habe der Componist an einem Ort eine Quintam gesetzt, so kan es wol eine Sexta seyn, und also sage ich auch von den andern Consonatien und Dissonatien, daß, wenn er also nach seinen Gedancken eine Quintam schlägt, und der Senger singet eine Sextam, lasse ich ein jedes reines und sauberes Ohr betrachten, was vor eine Lieblichkeit der Gesang alsdenn von sich geben werde: | |
| Denn es stehet einem jeden frey auff seyne Art und weise etwas zumachen und zusetzen, wenn es nur dem Ohr und Gehör eine anmuthige Melodiam gibt, welches denn finis Musicae der rechte Zweck und Ziel der ganzen Music ist."" |
| Nun sagen etliche, daß das Ohr oder Gehör nach seinem gefallen sol erlustiget werden, und man die Finger, nach dem man höret, bewegen solle. | |
| Denen aber antworte ich, daß solches keyne gute Consequentz sey: | |
| Denn wann das Clavier gerühret ist, so gibt es alsbald eine Stimm und Sonum von sich, und wann man schon den Finger geschwind wieder hinweg thun wolte, so hat es seyn Ampt schon verrichtet, und man hat die Dissonantien gehöret. |
| ""Darnach sagen etliche, daß der organist auf die Manier und Weise mit dem Ohr oder Gehör allezeit uff den Singer achtung geben solle. |
| Resp. Wenn er nun taub were, oder nicht wol hören köndte, und allezeiz in der Furcht seyn müste, daß er nicht eine Quint anstatt der Sext machte, oder eine Terz anstatt der Quart, so würde er in solcher Furcht gar wenig auff seinen Continuierten Baß achtung geben können, und vielmals:, in dem er die Sextas und Septimas welche er höret, suchet, wird er die Noten uberhüpfen, unnd aus der Saat und aus dem Stegereif kommen, welches sich nicht begeben würde, wenn er die Concordantien und discordantien mit numeris vor sich wird gezeichnet sehen, do er dann desto leichtlicher die finger hin und wieder richtiger weise bewegen kan. | |
| Und dieweil sich so grosse difficultet befindet, indem man nur mit einer in Stimm die Orgel singet, so stelle ich eim andern zu bedencken anheim, wieviel schwehrer dieselbe seyn würde, in dem man mit 2.3.4. oder 5. Stimmen darzu singen würde: Do dann wohl von nöthen, daß die Organisten die Marchianischen Eselen gleich weren, welche, wie Paulus Fiviranus erzehlet, drey Ohren haben, damit die also einem jederm Cantori eines zurecketen, zu hören, was er vor ein Consonantien machete; Und das were doch noch nicht genug. |
| Denn ich auch von vornembsten Organisten, so man heute zu tage findet, die auch nicht viel von diesen Signaturen hielten, gehöret habe, daß sie Sonando, im Schlagen wol taussenderley Dissonantien gemacht haben, dieweil sie auf dieselbige nicht achtung geben wollen, und wann sie dann den Irrthumb von sich selbsten gehöret, haben sie geschwinde angefangen zu diminuiren und coloriren, biß solang die furia vorüber gangen, dadurch sie offemals die diminutiones und coloraturen des Sengers confundiren. |
| Andere aber, wenn sie einen Argwohn eines ungewöhnlichen Passes oder Griffes gehabt, haben sie drey oder vier Octaven uff dem Clavier gemacht, damit man es nicht so sehr mercken solte: Welches aber nicht allein unlieblich zu hören, sondern auch ein Irrtumb ist, in dem man so viel Octaven auch in saltu im Springen auff der Orgel macht, welches dann ein thun ist unerfahrner Weiber. |
| Und bedarfs nun gar nicht, daß ich wiederhole, daß diese Signatur und auffzeichnung der Numeren und Zahlen dahin gemeynet were, als wenn man den Organisten so ungeschickt und unverständig halten wolte, gleich ob er nicht wisse, was er machen solte. | |
| Darauf antworte ich; Daß ohne diese Numeros oder Zahlen, man ihn vielmehr vor einen Narren halten wolte, welcher Eigenschafft unter andern ist, daß sie tausenterlei Stockerey und Thorheit erachten müssen, und also, wann sich der Organist unterstehet des Componisten Cervel Sinn unnd Gedancken zu erachten, und vorher zu wissen, so wird er von einem Rauch (tuffo) ungeschickt, dehmisch, und zum schönen Pivion, daß ist, zum Coglion werden: Daher man geschwind spricht, ist der Organist närrisch, und weiß nicht wo er den Kopf hat. | |
| Welches denn billich einen zum mitleiden bewegen solte, daß ein solcher armer, und hülffloßgelassener Organist also blindeling und nach geduncken schlagen und spielen muß. |
| Die Tabulatur aller Parteyen ist zwar vor dieser Zeit erfunden worden, daß man sie sollte recht schlagen, wie sie abgesetzt stünde, und war gar wol gethan, und wer sie recht verstehet, und extempore daraus wol schlagen kan, der folge ihr auffs beste er immer kan. | |
| Aber dieweil es ein gar schwehr ding ist, und auch langweilig, dieselbe secur zuschlagen, und die Menschen so sie erfunden und gelehret waren, zuvor gestorben, oder auffs wenigste gar alt ist, so wer es von nöthen, nachdem das Alter mangelt, sich der Mühe auch zu uberheben. Damit man aber in einem Concert ohne solch Weitläuffigkeit und difficultet alsobald zugleich mit einschlagen könne, so ward der Bassus Continuus, welcher denn eine schöne Consonantiam und Harmoniam machet, erfunden. |
| Dieweil aber ihrer etliche vermercketen und erkanten, daß man viel dissonantien hötet, wenn man solchen Baß also schlecht unnd simpliciter hinweg machte, dieweil die Musicalische Regeln ein jeder nach seiner Art, Capriccio inclination und gutdüncken anzeucht, so war es hoch nöthig solche Mitteln zu erfinden, dadurch man denselben recht justamente, und also, daß keine errores gehöret würden, schlagen köndte, und so viel, als immer müglich nach der Composition des Autoris richtete: | |
| Welches dann anderer gestalt und leichterer nicht geschehen können, als durch diß mittel der Numern oder Zahlen, durch welche auch ein jedweder kleiner Knab, wenn er sich dieselben auch nur ein wenig bekant gemacht, den Gesang so recht und gut ohne dissonantien schlagen und tractiren wird, als wenn er aus der vollkommenen Tabulatur schlüge. |
| Wie ich dann etliche gehört, auch in effectu probiret, daß sie die Motetten des Palestrini (welche, wie jederman wol weiß, gar trefflich nach den Regulen formiret, fugiret, und in Summa mit schönen Ligaturen unnd Syncopationibus vermenget und intircieret seynd) mit hülff und zuthun solcher Signatur der Numerorum dergestalt tractiret und geschlagen haben, daß sie den Zuhörern nicht anders vorkommen, als wenn sie all in der vollkommenen Tabulatur gesetzet weren, dieweil sie keine dissonantien im schlagen gehöret haben. |
| Und wer noch wissen will, ob in einer Cadenz die Quarta oder Tertia, oder die Tertia gar allein sey; oder aber die Tertia, Quarta und Tertia, dieweil solche einem jedweden nach seinem gefallen zusetzen und zu machen ad placitú, frey stehet? Es versuche aber der Organist ein wenig zu schlagen die Quartam und Tertiam, wenn der Singer die Tertiam, Quartam und Tertiam, oder aber die Tertiam allein vor sich hat, als wie in den Vespern des Vincenzij Ruffi unterschiedlich zu sehen, und wisse mir hernach zu schlagen, und wisse mir hernach zu schlagen, was es den Zuhörern vor eine anmuthige melodey geben wird? | |
| Was ich nu von dem Cadenzen sage, das sage ich auch von allen Ligaturen und Syncopationibus, Jedoch wil ich es dahin nicht verstanden haben, daß man die Signa uber alle Noten zeichnen solle, wie im Gio: Baptista Trabaci zusehen, dieweil man den Organisten dergestalt gar zu sehr confundirte: sondern etzliche unbekante Noten, so sich nicht allezeit vorfallen, und die der Mensch nicht in der eile errathen oder ersinnen kan, müssen nothwendig signiret und gezeichnet werden. Hactenus ille. |
| Wie aber und welcher Gestalt solche Signatur geschehe, und in acht genommen werden muß, muß allhier zu erinnern nicht vergessen werden. |
1. Uber die Notten im Baß werden die Consonantia und Dissonantia, welche der
Componist und Autor darzu appliciret hat, mit Numeris und Ziffern gezeichnet;
Als wenn zu dem ersten Theil einer Noten Semibrevi die erste
Minima in der Quint darüber, zum andern Theil aber derselben
die an der in der Sext darüber appliciret und gesetzt
seyn: So müssen die Numeri 5.6. also neben einander und uber dieselbe Notam
gesetzt und gezeichnet werden.
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| Ebenermassen wird es auch mit der 7.4.3. und Secundae gehalten, wenn sich der Componist derselben gebraucht hat, als im nachgesetzten Exempel zu sehen. |

| Dieses wird nun mit den Signis und Numeris uber den GeneralBaß also notiret. |

| Etliche, welche alles gar genau in acht nehmen wollen, setzen die gantze Distantiam der Concordantem mit ihren Numeris, soweit als: denn die Noten in einer Decima 11.12.13. etc. von einander seyn, darüber: Welches dann allhier im Alt auch gar wol hette geschehen können, daß man es also gesetzet: |

| Weil es aber gar zu weitläuffig, und das Werck nur schwerer machet, so wil es wol zum besten seyn, daß man die einfache Numeros behalte: Do dann ein Organist selbsten mit gutem Gehör und grossem Fleiß achtung daruff geben muß, ob es besser seyn wolle unten in der Tertia, Quart, Quint, zu verbleiben, oder oben die Octaven drüber als die 10.11.12. etc. zu gebrauchen. | |
| Bißweilen geschichts auch, daß zu einer Noten wol drey vielerley unterschiedliche Concordantem gesetzt seyn: als denn sollten denn auch wol so viel Numeri darüber gezeichnet werden: | |
| Als nahfolgendes Exempel außweiset; Welches aber gar selten in acht genommen wird; Dieweil sich die Drucker auch beschweren, so viel Numeros ubereinander zu setzen. |

| A.A. 2. Alle Consonantias seynd entweder von der Natur desselben Toni, in welchem der Gesang oder Concert gesetzt ist, und dieselbe werden nicht gezeichnet: | |
Oder werden per Accidens, züfälligerweise (das ist, daß sie nicht
desselben, sondern eines andern Toni seyn) mit eingemenget, und
dieselben müssen darüber gezeichnet werden. Als:, wenn der Gesang an ihm
selbsten dur ist, so darf die Tertia major, so naturlier im
dur ohne das nothwendig zum G gebraucht werden muß, nicht
darüber gezeichnet seyn:
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Wenn aber etwa der Componist, wie zu Zeiten geschicht, eine
Tertiam majorem zum G gesetzet hette, so muß dieselbe mit dem
darüber gezeichnet werden; in betrachtung sie accidentaliter
darzu kömpt, und eigentlich naturaliter im Cantu duro zum G
nicht kan gebraucht werden.
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Hinwiederumb aber in Cantu Bmolli ist die Tertia minor naturaliter
allezeit verhanden, wenn aber die Tertia major adhibiret sol werden,
muß man es mit der Diesi, oder wie es sonsten genennet wird, B
cancellato darüber notiren, weil sie allhier per accidens
darzu kömpt.
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| Und gleicher gestalt muß es auch mit den Sexten gehalten werden, wie hernach gesetzt ist. |



Nota. Wenn die Diesis an der seiten, oder unter der noten
stehet, so endert und bezeichnet sie dieselbe Notam, bey der sie
gefunden wird;
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| Wenn es oben uber der Noten stehet, so bedeutet es die Consonantiam, als nemblich die Tertiam oder sextam majorem, welche zu derselben Noten sol tangirt und gegriffen werden. |
M.P.C. Und dieweil fast allzeit (ausgenommen in Cantu ficto) zu der
Noten, bey welcher im Generalbaß die Diesis uff der
Seiten nezeichnet befunden wird, so wol auch im Cantu b.molli zu der
Noten MI, eine Sexta minor zur Consonantia gebraucht werden
muß; So vermeynen etliche nicht so gar nötig zu sein, daß man den
Numerum 6. oben drüber setzen, dieweil sich solches ohne das anders:
nicht schicken wil, wie im vorigen Exempel an der schlechten Noten, und
exemplo Bmollari zu befinden ist.
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| Und weil ich diese opinion auch gleich in vorgedachter Bernhardi Strozzi praefatione finde, habe ich dieselbe auch mit hierein setzen wollen, und lauten seine Wort also: |
| ""Es ist gar vonnötig, daß man die Sextam, so im Bmolli uff die Notam MI kommen, oben drüber zeichne, dieweil sich solches daher, (daß, wenn man eine Quintam darzu greiffen wolte, eine falsche Quinta sich hören lassen würde) ohne das verstehet, und es die natur gibt und erfordert. | |
Wenn aber der Componist eine Quintam mit fleiß darzu gesetzt
hette, so ist es nötig, daß dieselbe Quinta also mit dem Semitonio
darüber gezeichnet werde, darmit nicht der Organist, in dem er die Sextam
natürlicher und ordentlicher weise greiffen thete, eine unerträgliche
dissonantiam errege.
|
| Und ob man zwar auch in signatione und verzeichnung der Sextarum majorum und minorum, wie denn auch der Tertiarum Quintarum und Septimarum, so auff dieselbe Noten und durch eine Ligatur und Syncopation bißweilen kommen, dergleichen thun unn also zween numeros uber einander setzen solte: Jedoch weil es ziemliche weitläuffigkeit, und den Druckern auch Beschwerung gibt, stehet es zu eines jeden gefallen, und muß man hierin etwas geduld haben, daß der Singer das Ohr zu der orgel reiche, und regulire und verhalte sich, nach dem er höret. | |
Demnach ists viel besser, man lasse oder setze desto mehr ein Bmolle
oder ein Diesin als daß man in verbleibung dessen, nicht
zusammen stimmen und accordiren solte:
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| Es ist genug, daß der Organist uffs wenigste weiß oder ja wissen sol, wenn er von der Sexta ind die Octaven kömpt, so wil es ordentlicher weise eine Sexta major seyn: Und wenn von der Tertia zu der Sexta majori, oder Octaven kömpt, fo wil es eine Tertia major seyn; Unnd gleicher gestalt auch in vielen andern. | |
| Denn ob zwar solches ordentliche gewisse Regeln seyn, so müssen sie doch gleichwol nach eines jeden Componisten humor und capriccio, (Gehirn unnd Einfällen) allerley exceptiones leiden: Darumb man dann nicht besser thun kan, als daß man es mit den Numeris oben andeute, so ist es desto gewisser, und hat man sich keines erroris zu befahren. |
| Und daß ich nun also diesen discurs schliesse, so sage ich, daß die jenigen, so anderer Meynung und contrariter opinion seyn, vielleicht die Orgelkunst nicht verstehen, oder aber nicht doruff schlagen können, dieweil sie den mangel und beschwehrlichkeit, so der Organist, (wenn er also blind oder blinzende schlagen, und allezeit in furchten, daß er nicht fehle, stehen muß) findet, nicht erkennen oder begreifen können."" |
3. Dieweil auch alle Cadentien, so wohl mitten im Gesang, als am ende
eine Tertiam majorem erfordern, so wird die Diesis vot
etlichen doselbst nicht darüber gezeichnet;
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| Wiewol vorgedachter A.Aggazzarius selbsten vor rathsam erachtet, daß man umb mehrer versicherung willen, bevorab in der mitten, sie darüber zeichnen solle. | |
| Welcher Meynung ich dann auch gäntzlich bin; Sintemal ein Componist zum öftern umb einer Fugen oder andern vorhergehenden Ursachen willen eine Tertiam minorem gesetzt hat, welches denn ein Organist also eben nicht errathen kan. | |
| Demnach ich aber befunden, daß etliche noch ungeübte, nicht recht zu unterscheiden wissen, woran sie eigentlich im Baß die Cadentien erkennen, und die Tertias majores recht gebrauchen sollen: | |
| So ist zumercken, daß die Cadentien im Baß in die Quint hinnunder descendiren, unnd in die Quart hinaufsteigen: | |
| Wenn aber der Baß in die Quinten hinaufsteiget, oder in die Quart hinunter fellet, so ist es keine Cadentia, und muß die Tertia minor und nicht major gebrauchet werden. Es were dann, daß der Componist aus sonderbaren Ursachen vor sich also gesetzet hette: | |
| Sonsten kan naturaliter die Tertia major daselbsten keine stadt haben. | |
| Welches:, weil ich gehöret und gesehen, daß diesen unterscheid auch etliche geübte Organisten noch zur zeit nicht sonderlich in acht nehmen, ich nothwendig erinnern müssen. |


| Etliche sin der meyning, deß es im GeneralBaß 10. oder 12. Linien, und dorinnen die Tertien, Quinten, Quarten, Sexten, Septimen, &c. mit Noten uber den Baß zu setzen, besserley, als daß man es mit Ziffern oder signis drüber zeichne: | |
| Sintemal es den jenigen, so dieses mit den Ziffern zuvor niemals gesehen, viel weniger sich hierin geübt, noch darzu begeben, anfangs sehr schwehr vorkompt. | |
| Welche opinion ich mir dann meines theils gar wohl gefallen lasse, fürnemlich darumb, darmit man eigentlich wissen könne, ob die Cadentien oder Calausulae formales in den obern oder Stimmen zu gebrauchen seyn: | |
| Und hette mich auch derselben in meinen operibus gebraucht, wenn man allezeit solche Noten zum setzen und drucken hette haben können: Wie ich im Appendice des folgenden andern Stücks etwas darvon mit mehrern berichten wil. |
Dieses aber muß sonderlich allhier observiret und in acht genommen
werden, daß in denen Gesängen, welche Mixolydij, AEolij und
Hypojonici
Modi, in quartam inferiorem (weil es in der Quint, wie oben angezeigt,
allzuschläferig seyn möchte, und in der Quart sich etwas frischer un
anmuthiger, sonderlich uffn Instrumenten hören lest) transponiret
werden, forn an bei dem Clave Signata ... die Diesis
bezeichnet;
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| Und alsdann der gantze Cantus gar ficté, durch das Semitonium fi (welches von dem Organisten fis genennet wird) geschlagen werden müsse: | |
Darumb denn unnötig, uber die Noten, so im D gesungen werden, das
zur anzeigung der Tertiam majoris zu setzen, sondern dieweil
das fornen an allzeit in die Claves F und F gezeichnet
worden, so bezeuget es das alle Noten, durch und durch uff derselben Linien
oder Reigen dafür gehalten und geachtet werden müssen, gleich, als wenn vor
einer jeden ein gezeichnet were:
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| Daher dann die Tertia major naturaliter zum D muß gebrauchet, und die Tertia minor, wenn die etwa vom Autore accidentaliter mit eingemenget wird, mit dem b notirt werden. |


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Concert Schlagen und tractiren solle, Solches wird in nachfolgenden acht Puncten erkläret |
| L.V. I. Sol er aus diesem GeneralBasse oder Partitur gar simpliciter und schlecht, doch so rein und just es immer müglich, hinweg schlagen, wie die Noten nacheinander gehen, auch nicht viel Läuflin oder Colloraturen machen, fürnemblich in der lincken Hand, in welcher das Fundament geführet wird. | |
| Wil er aber mit der rechten Hand einige Geschwindigkeit oder Bewegung, als nemblich in lieblichen Cadentien oder sonst lieblichen Clausulen gebrauchen, so muß es mit sonderbarer maß und Bescheidenheit geschehen, damit die Concentores in ihrem intent nicht impediret und confundiret, oder ihre Stimme dadurch obtundiret und unterdrücken werde. |
| M.P.C. Dann, wie ich von verständigen, der Music zugethanen hohen und vornehmen Personen berichtet werde, so seind etliche vortreffliche Organisten in Italia und anderswo, welche in solchen Concerten weder Diminutiones oder Passagi, noch einige Groppos in den Cadentien, oder auch Mordanten machen: Sondern nur gar schlecht und recht, wie es im G Baß befunden wird, einen Schlag und Griff nach dem andern greiffen, also, daß die Motion und Bewegung der Hände fast nicht zu spühren ist. | |
| Welches ich mir dann auch gar wolgefallen lasse, dann man sonderlich keine Chromata oder Semichromata adhibire, Allein es deuchtet mich nicht so gar uneben seyn, daß in etlichen Concerten der Organist mit sonderm fleiß observire, wenn der Concentor seine diminutiones und Passagien machet, er alsdann sein simpliciter und und einfältig von einem Clave zum andern, wie von einer Stueffen zur andern allmehlich fortschreite; | |
| Do aber der Concentor nach verrichteten vielen unterschiedlichen Movimenten, schönen Diminutionen, Groppen, Tremoletten und Trillern etwas träg, müde, und wegen kürze der Athems die folgende Noten schlecht und simpliciter zu singen anfahen muß, daß alsdann der Organist, doch allein mit der rechten Hand, seine artige Diminutiones &c. mit einführe, und den Concentorem in seinen vorhergebrauchten Movimenten, Diminutionen und verenderungen, etc. zu imitiren sich bemühe, und sie also gleichsam ein Echo mit einander machen, biß der Concentor sich wiederumb erhole, und seine Kunst und Lieblichkeit anderweit hören und vernehmen lasse. | |
| Wie dann auch meines wenigen erachtens:, do ja keine einige Diminutiones oder aderer dergleichen Movimenten gebraucht werden, der Mordanten oder Tremoletten nicht aller dinge zu vergessen, Sintemal des Concentores oder Vocalisten Stimme hier durch ganz nicht, oder ja so sehr nicht, als wol durch vielerley Coloraturen und Diminutiones interturbiret werden kan. | |
| Doch sol hinfort niemand nichts zum praejudicio vorgeschrieben seyn, sondern wird eim jeden, wie ers damit halten wil, frey gelassen. |
| 2. So will es sich in allen Concerten nicht thun lassen, daß man es so stracks ex tempore aus dem GeneralBas schlage, darumb ist von nöthen,, daß sonderlich ein ungeübter den Gesang, welchen er spielen wil, zuvor fleissig und wol durchsehe, damit wenn er den Stylum, die Weise und Art dieser Music recht einnimbt und innen wird, seine Griffe und Schläge uff der Orgel desto vollkommener und gewisser darnach accomodiren und zusammen fügen könne. |
| 3. L. V. So wil Ludovicus Viadana, daß die Cadentien uff der Orgel an dem Ort und in der Stimme gemacht werden, wie und wo sie von dem Concentori oder Sänger gesungen werden; | |
| Also daß wenn ein Baßist alleine in die Orgel singet, so muß der Organist die Cadentien auch im Baß, singt ein Tenorist, so muß er sie im Tenor machen, und so fortan, denn es wolte gar ubel klingen, wenn ein Diskantist seine Cadenzen an seinem Orth machte, und der Organist wolte dieselbe Cadentz im Tenor eine Octava darunter machen ; & contr\`a. |
| Wiewol etliche in diesem einer andern Meynung seyn; wie hernach im 6. Punct erinnert wird. |
| 4. Wenn der Gesang von einer Fugen oder Choral anstehet, so sol der Organist also auch nur mit einer Stimme oder Griff uff einem Clave oder Calculo, die Fugam wie gesetzt ist, anfangen: Wenn aber hernacher die andere Stimmen darzu kommen, so stehts ihm frey, mehr Claves nach seinem guten gefallen darzu zugreiffen. |
| 5. Wenn in einem Gesange, oder solchem Concert, so etliche Stimmen zuvor allein die Orgel gesungen haben, bißweilen alle Stimmen zusammen einfallen, welches den Italiänern Ripieni concerti (ut supra cap. I.) genennet wird, so sol man uff der Orgel zwar manibus & pedibus, das: Manual und Pedal, völlig miteinander schlagen und begreiffen, aber kein ander Register von mehr Stimmen darzu ziehen, denn der zarte und gelinde schwache Tonus der Sänger würde sonsten durch starcken Laut und Klang der vielen gezogenen Register in der Orgel gar zu sehr uberfallen, und dadurch die Orgel mehr und stärker, als die Cantores gehöret werden. |
| ""Wiewol etliche, als der A. Aggazzarius: und Sebastianus Miserocca der Meynung seyn, daß man in der Orgel mehr Register ziehen solle, wenn die Ripieni concerti, oder pleni concenti angehen: Welches dann noch füglicher geschehen kan, wo zwey Clavir vorhanden, daß man in einem ein gar gelinde Stimmwerck, Im andern etwas stärcker habe, damit man in solcher umbwechslung von einem Clavir uffs ander fallen, und wenn wenig Stimmen seyn, das gelinde Register, Wenn aber mehr und viel Stimmen darzu kommen, das stärkere oder gedoppelte gebrauchen, und volle Concordantias greiffen könne: |
| In wenig Stimmen, aber die Concordantien verringern, und derselben wenig hineinbringen, damit die einzige der zweyer oder dreyer Menschen Stimmen von vielheit der Concordantien oder starck lautenden Pfeiffen nicht ubertaubet werde. |
| L. V. 6. So ist dem Organisten nicht so sehr von nöthen, daß er in der Partitur uff zwo Quinten oder zwo Octaven, sondern vielmehr uff das:, was mit der Menschenstimme gesungen wird, achtung gebe. | |
| Doher, wenn ein Concert ad aequales (â voce pari) gesetzt ist, oder eine Tenor oder Baßstimme gesungen wird, so soll der Organist nimmer in die Höhe hinauf in die Discantstimme kommen, sondern allezeit drunten bleiben: | |
| Dagegen, wenn hohe Discantstimmen gesungen werden, soll er nicht in der tiefe, sondern in der Höhe bleiben und commoriren, doch daß er in den Cadentijs die Octaven drunten wol gebrauchen mag, denn dadurch wird die Melodey lieblicher und anmuthiger werden. |
| A. A. Der Aug. Agazzarius aber wil, daß man die hohen und hellen stimmen in FundamentInstrumenten gatz aussen lassen und vermeiden solle, darumb daß sie die singende, insonderheit Discant und Falsettstimmen verhindern und occupiren: | |
| Wie er dann auch wil, daß man den Griff meiden, das ist, dieselbe Noten nicht berühren sol, welche der Discant singet, damit nicht ein gedoppeltes gemacht, und dadurch die Lieblichkeit, die der gute Singer mit Tiraten und Läuflin darzu macht, verdunckelt werde. | |
| Darumb dann nichts bessers:, als daß man, wie vor gesaget, gar strictè, eingezogen und gravitetisch im Schlagen procedire. |
| 7. Ferner, ausser dem, so werden vom Agazzario etliche Principia und termini angezeigt, wie man aus dem Baß schlagen sol: | |
| Als daß man ad Imperfecta ad Perfectam, und deroselben allernechsten Concordantz schreite; Item die bösen Species, mit den benachbarten guten resolvire, Als die Septimam mit der Sexta, die Quartam mit der Tertia, wenn das Theil so resolviret, als neblich die Sexta oder Tertia oben darüber kömpt: | |
| Wenn sie aber darunter gesetzt ist, so muß im gegentheil das: contrarium gebrauchet werden. Aber hiervon zu reden, gehöret eigentlich ad Melopoeiam in Quarto Tono; | |
| Darumb wir jetzt nur allein, wie man die Hand auff die Orgel bringen solle, noch sagen wolle. |
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| Denn erst so continuiret er sich, unf gehet nach einander per gradu continuos, darnach mit Sprüngen per saltus; denn mit nacheinanderfolgenden Läufflin, Tiratâ continuatâ: Und endlich mit voneinander gesetzten und springenden schwarzen Noten, notis disjunctis. |
| 1. Wenn er uber sich steiget per gradus continuos, so sol man mit der rechten Hand von oben herab ihm entgegen kommen, entweder continuirter weise, oder mit springen. |
| 2. Im gegentheil aber, wenn die unterhand im Baß springet, oder per saltus von der Tertien, Quart oder Quint herunter steiget, sol man mit der obern rechten Hand per gradus procediren; | |
| Denn es nicht gut ist, zugleich mit beyden Händen springen, oder herunter steigen, Sintemal es nicht allein zu hören, sondern auch zu sehen unfreundlich, unlieblich und unhöflich ist, als dabey keine verenderung, sondern eitel Octaven und Quinten zu vernehmen. |
| 3. Wenn der Baß mit einer Tirata und Läuflin nach einander in die höhe hinauf steiget, so muß die obere Hand fest stehen bleiben. |
| 4. Wenn es aber mit disjungiren schwarzen Noten geschicht, so muß man jeder Noten eine sonderliche accompagnaturam, Gesellschaft und Concordantz mit der obern Hand zueignen, wie im folgenden Exempel zu ersehen. |

| So iß auch dieses zu observiren; Wenn man einen GeneralBaß aus dem rechten Baß aussetzen wil, daß man die Läuflin mit schwarzen Noten nicht allzeit also, wie gefunden werden, sondern recht und schlecht mit Semibrevimus und Minimis, doch nach dem es sich schicken wil, schreiben und setzen solle.\\ | |
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| M.P.C. 8 In etlichen GenralBässen, als in den DialogicisConcentibus A. Agaz. und anderer, befinde ich wenngleich hohe Alt- oder Tenorstimmen das Fundament führen, daß im GeneralBaß die Octav drunter, uff der Orgel zu schlagen gesetzet werden: | |
| Welches etlichen mißfelt, mir aber nicht so gar unrecht und uneben deuchtet, Sintemal man in Orgeln, sonderlich aber in Positiven nicht allezeit solche Stimmen, welche von acht Füssen am Thon, und mit der Menschenstimmen AEqual seyn, haben kan, sondern bißweilen die kleine Stimmen, so umb ein Octav höher nur von 4. Füssen seyn, gebrauchen muß: | |
| Bißweilen hat man auch Regal von 16. Fuß, welche allezeit ein Octav tiefer gegen der Menschenstimme procediret, ob der Gesang gleich so hoch, als er stehet, geschlagen wird. Und in diesem befinde ich den Adrianum Biancheri in Cartella gantz meiner Meynung seyn. |
| Aber hiervon ist mit mehrerm im 2. Theil dieses dritten Tomi gehandelt worden. | |
| Und ob wol bißweilen auch Quinten und andere verbottene Speties gegen dem Generalbaß befunden werden: So ist ja keiner so unerfahren, der nicht wissen solte, daß solches nicht ex inscitia et incuria Componistae herrühre, |
| Denn ob gleich die Stimmen justamento nach den regulis Musicalibus componiret seyn, jedoch, wenn alle Stimmen in die Noten Tabulatur 10.12. oder 14. Linien, wie gebräuchlich, gesetzt werden, so kan es nicht fehlen, daß nicht zum offtermal Quinten und Octaven solten in solcher Tabulatur gesehen werden, dieweil die Stimmen durcheinander bald oben, bald unten, der Cantus unten Alt, der Alt unten Tenor, der Baß ubern Tenor, nach dem ein jeder gesungen wird, geschrieben werden muß: | |
| Welches aber in der rechten Spartitur, do die Stimmen vor sich alleine ubereinander absonderlich geschrieben werden, sich nicht finden wird. | |
|
Und dieweil ich bey denen Organisten ( so zuvor dieser Manier, do nur eine oder zwo Stimmen allein zum Generalbaß gesetzt sind) nicht gewohnt, befunden, daß sie alleine den GeneralBaß, und die eine oder zwo Stimmen eben, wie gesetzt seyn, absetzen und hinweg schlagen; Und aber gar schlecht und bloß lauten würde, wann keine Mittelstimmen von dem Organisten uff der Orgel oder andern FundamentInstrument darzu solten gegriffen werden: | |
| So habe ich allhier (weil aus vorhergesetzten Bericht ein ungeübter solches allerdings nicht begreiffen möchte) etwas deutlicher expliciren müssen, wie sich ein anfahender Tyro und Incipient zum GeneralBaß schicken könne, und daraus schlagen lernen solle. |
| 1. Wenn ein GeneralBaß fürkompt, sol er dahin bedacht seyn, dass er unten mit der lincken Hand, zu einer jeden FundamenNoten, so im GeneralBaß befunden wird, entweder eine blosse quintam alleine, oder auch mit der Tertien darzu; Oder aber ein gantze Octavam auch alleine, oder auch mit der Quintam zusammen greiffe: | |
| Mit der rechten Hand aber die Octav allein aber zu der FundamentNoten, oder aber die Tertiam darzu, welche gegen dem Fundament die Decima ist, oder auch diese Decimam und Duodecimam zusammen; | |
Und diß also durch und durch: Jedoch, daß die darüber gezeichnete
signa und Numeri 3.4.5.6.7. &c. ob Tertias &
Sextas Majores & minores, (Davon im 3. Punct des \lat I. Stücks dieses
Capittels meldung geschehen) gar fleissig in acht genommen werden.
| |
| Und also ist nicht nötig, daß der organist die Vocalstimmen also, wie sie gesungen werden, im schlagen observire, sondern nur für sich selbsten die Concordantien zum Fundament greiffe. | |
| Inmassen ich dann, melliores intellectus & declarationis gratia, diß Exempel hierbey mit einbringen wollen, Aus dem 2. Theil meines Wir gläubes:, welches in Polyhymnia Caduceatrice seu Pacis nuncia zu finden. |


| Die nun der noten Tabulatur nicht gewohnt seyn, die können es daraus gar füglich in die Teutsche Buchstaben Tabulatur setzen, und sich daraus ersehen, wie die Mittelstimmen darzu appliciret werden müssen. |
| 2. Muß fleissig in acht genommen werden, wo die Claves signatae ... uff den linien forne, und in der mitten variiren und umbwechseln, sonsten gibt es gar leichtlich irrungen. |
| 3. Wenn ein Discant alleine, oder auch zweene miteinander in den GeneralBaß gesungen werden, so ist meines erachtens besser, daß man meistentheils oben in den kleinen Stimmen unnd Clavieren bleibe, Wenn aber Tenoristen, Altisten, oder Baßisten singen, unten in den groben und fieffen Clavibus immorire. |
| 4. Wenn wenig Stimmen singen, daß man alsdann auch wenig Claviere etwan c g e, d a f, c c e, etc. darmit die Stimmenvon der Orgel absonderlich und vernemblich gehöret werden können: Wenn aber viel Stimmen zu singen anfahen, alsdann auch desto mehr Claves und vollstimmiger drein greiffe. |
|
5. ist diß auch sonderlich zu mercken, Wenn 2. oder 3. Stimmen allein in den GeneralBaß, denn der Organist, oder Lauttenist für sich hat, und draus schlägt, gesungen werden; | |
| Daß es sehr gut, auch fast nötig sey, denselben GeneralBaß mit einem BaßInstrument, als Fagott, Dolcian oder Posaun, oder aber, welchs zum allerbesten, mit einer Baßgeigen, darzu machen lest. | |
| Darumb ich dann etliche Cantores darzu ermahnet, und were sehr zu loben, wenn es ihrer also viel vor die hand nehmen, daß sie sich uff einer Baßgeigen, deb Baß im Chor mitzustreichen, (welches dann gar eine leichte Kunst ist) exerciren möchten, welches:, weil man in allen Schulen nicht allezeit gute Bassisten haben kan, das Fundament trefflich zieret und stercken hilft. |
|
den Text, so gut er sich darzu schicken wollen, darunter appliciret, in denen Cantionibus, do der Text nicht allbereit in den In- strumentalBässen zu finden seyn wird. |
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Theorben und dergleichen in acht nu nemen, und gebraucht werden könne |
| Es muß nun alles vorgesagte eben also, auch auff der Lautten, Harffen, Chitarron oder Theorba, wenn sie als FundamentInstrument gebraucht, oder eine oder mehr Stimmen darein gesungen, in Fleissige auf acht genommen werden. | |
| Denn sie sollen allzeit eine selbst bestendige, vollautende und Continuierte Harmoniam führen, so die voces humanas glaichsam als tragen, und bald heimlich und still, bald wiederumb frisch und starck schlagen, nach der qualitet und menge der Stimmen, auch nach gelegen der Orts und des Concerts. | |
| Doch muß man in dem das die Stimme ihre schöne Läuflin und Coloraturen macht, oder sonst einen andern affectum praesentiret, nicht so gar ober starck in die Säiten greiffen, damit di Stimme dadurch nicht interrimpirt werde. | |
| Und dieses sey gesagt von FundamentInstrumenten. |
| Wenn nun aber die Lautt, Theorba, Harff, Chitarron &c. als Ornament-Instrumenta gebraucht werden, müssen sie so wol als die andern Ornament Instrument (welche auff mancherley weise mit den Stimmen variiret und vermischt werden, zu keinem andern ende, als das sie dieselben Zieren, Schmücken und gleichsam als Condiren und Würzen.) auff eine andere Art, und nicht als Fundament-Instrumenta sich hören lassen. | |
| Denn gleich wie jene das rechte Fundament und die Harmony fest und bestandig halten; Also müssen diese Ornament-Instrumenta jetzunder mit Varietet und verenderungen schöner Contrapuncten, nach qualitet der Instrumenten die Melodiam zieren und aus:Putzen. | |
| Aber hierin ist der unterschied, das uff vielen Ornament-Instrument nötig ist, daß der Instrumentist vom Contrapunct gute wissenschaft habe, dieweil man alda uber demselben Baß, newer Passagien, Contrapunct; und also fast ganz newe Parteien oder Stimmen Componiren muß: Welches in den Fundament Instrument nicht so groß von nöthen ist. |
| Soll derwegen der Lauttenist sein Lauten, weil es ein zierlich ja Nobilitiert Instrument ist, auch wohl und herrlich schlagen, mit mancherley inventionen und Variationen: Und es nicht machen wie etliche, Welche . weil sie mit einer graden Hand begabet seyn, vom Anfang biß zum Ende anders nicht thun, als tirare & diminuire, das ist, eitel Läuflin und Colloraturen machen, insonderheit, wenn sie mit anderen Instrumentisten zu gleich einschlagen, Welche denn gleicher gestalt diesen nichts nachgeben, und auch vor grosse Meister und geschwinde Coloraturen macher angesehen und gehalten sein wollen: | |
| Daher denn anders nichts gehöret wirt, als ein unliebliche Confusion und Widerwertiges streiten (Zuppa, das ist, elend Lahm ding) den zuhörern ganz unangenehm und beschwehrlich. Darumb ist es vie besser, wenn der Lauttenist (Hora con botte, e ripercosse dolci; hor con passagio largo, & hora stretto, e raddopiate, poi con qualche sbordonata, con belle gare e perfidie, repetendo, e cavando le medesime fughe in diverse corde, o lochi. in somma con lunghi gruppi e trilli, & accenti â suo tempo, intrecciare le voci, che dia vaghezza al conserto, e gusto, e diletto all uditori) bißweilen mit lieblichen nider- und widerschlägen; Bald mit weitlaufenden, bald mit kurzen eingezogenem, und gedoppelten reduplizierten Passagien, bald mit einer sbordonata frembden Harmonia, gleichsam als wenn man aus den Thon kommen wolte, mit einer hüpschen schönenart (gare & perfidie) in dem das er repetiret, und einerley Fugen uff unterschiedenen Säiten, und an unterschiedenen örtern herausser und zu wege bringet, die selbe repetieret und widerholet, und in summa die Stimmen mit langen Gruppen, Trillern und Accenten zu rechter zeit gebraucht, einflechte, das er dem ,Concert eine Lieblichkeit und Geschmack gebe, und den zuhörern eine belustigung mache; | |
| Darneben sich aber mit grossem fleiß und judicio hüte und fürsehe, das er die andern Instrumentisten nicht offendire, oder mit ihnen zugleich lauffe, sondern ihme wol zeit und weile nehme, Fürnehmlich, wenn einerley Instrument nahe bey einander, und nicht in unterschiedenen Tonen gestimmet oder von unterschiedlicher grösse seyn. | |
| Was nun bey der Lautten, oder dem fürnembsten Instrument zu Observiren von nöthen, dasselbe muß gleicher Gestalte bey andern dergleichen Instrument in acht genommen werden. |
| Die theorba vermehret die Melodey gar sehr mit ihren vollen und lieblichen Consonantijs in dem man die grosse, Grobe, lang außgestreckte Säiten Cisuoi bordoni mit gar frischen widerschlägen und langsamen herunter und hinauff lauffen (ripercotendo & Passagiando leggiadramente) rechtschaffen angreiffen muß; Welches ein sonderbare Excellentia in diesem Instrument ist vor andern, mit stillen und messigen Trillen und Accenten con Trilli & Accenti muti, so mit der Hand gar unten am Stege gemacht werden. | |
| Die doppel Harffe, weil sie so gut im Baß als im Discant, muß allenthalben mit Lieblichen (pizzicate) scharffen griffen tractiret werden, (Con vis poste das beyde Hände einander fein und wol Respondiren, mit Trillen etc. und in summa, sie wil einen haben, der einen guten Contrapunct darauff machen kan. |
| Die grosse Zither, Italis Ceterone, so wol Cetera ordinaria, oder die gemeine Zither sol auch wie andere instrumenta gebraucht werden, Scherzando & Contraponteggiano sopra la parte: Das ist, daß man allerhand gute und lustige Possen mit leufflin, springen unnd contrapunctiren doruff zu wege bringe. |
| Dieweil auch ein jedes Instrument seine eigene terminos hat, sol auch derjenige, der so darauff spielet, derselben gebrauchen, und sich darnach reguliren, damit er feine und gute Arbeit machen möge. |
| Die Instrument darzu man einen Bogen gebraucht, haben eine andere Art, als die mit den Fingern oder Fedderkeilen geschlagen werden. Derowegen der, so auff der Lirone, und grossen Lyra spielet, sol lange klar- und hellautende Striche und Züge Tiraten mit dem Bogen machen, damit er die MittelParteyen oder Stimmen wohl heraus bringe, und uff die Tertias und Sextas majores und minores fleissig achtung gebe: Welches:, ob es wol uff diesem Instrument schwehr, gleichwol aber sehr viel dran gelegen ist. |
| Die DiscantGeig, den welschen Violino, wil schöne Passagien haben, unterschiedliche und lange Scherzi, rispostine, feine Fugen, welche an unterschiedlichen örtern repetieret und wiederholet werden, annmutige Accentus, stille lange striche, Gruppi, Trilli, &c. |
| Die grosse Baßgeig, den welschen Violone, gehet, als es den tieffen stimmen gebühret, gar gravitetisch, erhelt mit ihrem lieblichen Resonantz die Harmony der andern Stimmen, und beibt so viel sie immer kan uff den groben Säitten, zum öftern auch der ContraBaß, das ist uff den gröbsten Säiten die Octav anrührend. |
| Und ist nun bey allen diesen jetzgedachten OrnamentInstrumenten zum höchsten nötig, daß alles mit gutem verstande und bedacht gebraucht werde. Denn wenn ein Instrument alleine ist, so muß es auch alles verrichten, und die Music fein steiff und gewiß führen. |
| Wenn aber Gesellschaft und andere mehr instrument verhanden seyn, müssen sie eins uffs ander sehen, ihnen untereinander raum ond platz geben, nich gegen einander gleichsam stossen, sondern wenn ihrer viel seyn, ein jedes seiner zeit erwarten, biß daß die Reye, sein Schertzi, Trilli und Acdent zu erweisen, auch an ihn komme. | |
| Und nicht, wie ein hauffen Sperlinge untereinander zwitzschern, undwelches nur zum höchsten und zum stärcksten schreyen unnd krehen kan, der beste Hahn im Korbe sey. Welches dann bey DiscantGeigen, Cornetten, &c. eben so wol zu observiren. |
| M.P.C. Und dieser Punct ist vor allen dingen in eim jeden Concert auffs allerfleissigste von allerley Instrumentisten, so wol auch von Vocalisten und Sängern in acht zu nehmen; Damit nicht einer dem andern mit seim Instrument oder Stimme ubersetze und uberschreye; | |
| Welches dann gar sehr gebräuchlich, und viele herrliche Music dadurch in grund verdorben und zerstöret wird: in dem sich immer einer vor dem andern wil hören lassen, also, daß die Instrumentisten, sonderlich uff den Cornetten mit ihren uberblasen, und auch die Sänger mit ihrer Vociferation und uberruffen, endlich so hoch in die höhe kommen, daß der Organist, wenn er mitschlägt, gantz und gar aufhören muß, und in Final sich befindet, daß der gantze Chor durch deroselben ubermessiges uberblasen und uberschreihen, und ein halben, ja offt umb ein gantzen Thon, mehr in die höhe gezogen. |
| A.A. Dahinn denn ohn allen zweiffel der A. Aggazarius gesehen, In dem er wil, daß die blasenden Instrumenta, wegen der verenderung, so des Menschen Athem darinnen verursacht, und sonderlich die Zincken, nicht in stillen, guten unnd lieblichen, sondern allein in grossen, rauschenden Music mit untergemenget und gebrauchet werden sollen. |
| Bißweilen könne man auch in kleinen Music doe posaun, wenn sie wol und lieblich geblasen, bey den kleinen Positiflin oder Orgelstimmen von 4. Fußthon, zum Baß gebrauchen. | |
| M.P.C Welcher aber seinen Zincken, und dergleichen instrumenta recht zwingen und moderiren kan, und seines instruments ein meister ist, sol hiermit nicht gemeint seyn. |
| Zum beschluß des GeneralBaß muß ich des Aug. Aggazarij eigne Wort außm Italiänischen in Teutsche Sprach versetzet, allhier mit einführen: Steht eim jeden frey, wie ers uffnehmen und verstehen wil |
| ""Dieweil ich weiß, daß der GeneralBaß von etlichen, die entweder nicht verstehen, zu welcher er gerichtet, oder aber nicht daraus schlagen können, verachtet wird: So deuchtet mir nicht ubel gethan seyn, etwas allhier davon zu melden. |
| Es ist aber diese Art aus dem Basso Continuo zu schlagen, umb dreyerley Ursachen willen erfunden worden, und in gebrauch kommen. |
| 1. Wegen der jetzigen gewohnheit und styli im singen, do man Componiret und singet, gleichsam, als wenn einer eine Oration daher recitierte. |
| 2. Wegen der guten Bequemlichkeit. |
| 3. Wegen der grossen Menge, Varietet und Vielheit der operum und partium, so zur Music von nöthen seyn. |
| Die erste betreffend, sag ich, Weil man itzt newlich die rechte Art, die Wörter zu exprimiren erfunden hat, in dem man fast und so viel als müglich, eben so singet, als wenn man sonsten mit einem redete welches dann am besten mit einer einzigen, oder Ja mit wenig Stimmen angehet, wie die heutigen Melodien etlicher vortrefflicher Leute vorhanden, und mans itziger zeit zu Rom sehr viel im gebrauch hat. | |
| Als ist nicht nötig, das man sie alle absetze, oder in die Tabulatur bringe, sondern es ist genug am blossen Baß, wenn nur die Singna darüber bezeichnet werden. Und so mir einer sagte, das zu den alten motetne und Stücken, welche voller Fugen und Contrapuncten seyn, nicht gnug sey an diesem Baß dem gebe ich hinwider zur Antwort, das solche und dergleichen Gesänge, bei uns nicht mehr im gebrauch wegen der Confusion und verstümlung des textes und der Wörter, so von dem langen und ineinander geflochetenen Fugen herkommen? | |
| Darnach auch, Weil sie keine rechte art Lust- und Annemlichkeit haben. | |
| Denn wenn alle Stimmen gesungen werden, so höret man weder Periodum noch sensum, weil alles von den Fugen, welche sich so offt repetiren, interrumpirt wird, und eine jede Stimme besondere und underschiedliche Wort, zu einer zeit singet und aus spricht, welches verstendigen Leuten, die darauff mercken, mißfelt: | |
| Unnd hat nicht viel gefehlet, das die Music dieser ursachen halben von einem Bapst gantz unnd gar aus der Kirchen wehre Partiret worden, Wo nicht Iohan Palestrino sich der sachen angenommen, und bewiesen hette, das mangel bey den Componisten, und nicht in der Kunst der Music steckete. | |
| Wie er dann zu bekräfftigung dessen, eine Missam, Missa Papae Marcelli genand, Componiret hat. Daher obwol solche Compositiones nach den Regulen de Contrapuncta gut sein, seind sie doch nit gut nach den Regulen der guten und wahren Music, und seind daher kommen das man nit verstanden hat das Officium, finem und rechte Praecepta dieser Kunst, sondern allein uff die Fugen und Noten gesehen, und nicht auff die affectus und gleichförmigkeit der Wörter: | |
| Wie dann auch ihrer viel erstlich die Composition der Noten gemacht, und dar nach aller erst die Wort und den Text darunter mit grosser mühe und Schwerlichkeit geflickt und gestückt haben. Und diß sey hiervon genug. |
| Die ander Ursach ist die grosse Bequemlichkeit, daß der, so schlagen lernet, sich mit der Tabulatur zu bemühen vonnöthen hat. In betracht, dasselbe ein beschwehr- und Verdrießlich ding ist, darinnen man leichtlich irre wird, insonderheit wenn man ex improviso Musiciren soll. |
| Die dritte Ursach deuchtet mir allein wichtig genug zu sein, einen solchen GeneralBaß einzuführen, nemlich die menge der operum und Bücher, so man sonsten zum musiciren von nöthen hat: | |
| Denn wenn man nur das allein so zu Rom in einer Kirchen darinnen man pflegt zu Musiciren, in einem eintzigen Jahr gesungen wird, absetzen, und in Tabulatur bringen solte, so müste der Organist ein grösser Bibliothecam haben, als ein Doctor im Rechten. | |
| Derowegen man billich den Baß auff diese Art erfunden hat, weil es doch nit nötig ist, wenn in die Orgel oder Regal gesungen wird, daß man alle Stimmen oder Parteien schlage, wie sie gesetzt sein. | |
| Wenn man aber alle Stimmen, wie sie Contrapunctes weise ineinander gefüget seyn, schlagen wil, das ist ein ander Werck7 und gehöret nicht hieher zu unserm jetzigen intent und vorhaben. Hactenus Agazzarius. |
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| Zum beschluß aber muß ich alhier den Organisten Freundlich zu verstehen geben, wenn ein Concert mit etlichen Choren in der Kirchen oder auch vor der Taffel angestellet wird, daß, gleich wie fürtreffliche Oratores, wen sie wichtige sachen tractiren und davon Ansehnlich peroriren wollen, sich gemeiniglich eines dienlichen wolfügenden Exordij, ungeachtet es eigentlich zum Hauptwerck nicht gehörig, allein zu dem Ende, domit sie die Zuhörer benevolos attentos & dociles machen, und umb so viel ermuntern mögen, befleissigen: | |
| also auch sie im anfang mit ihren Praeludijs die Zuhörer und gantzes Consort der Musicanten gleichsam Convociren und zusammen locken sollen, als bald ihre Partes auff zu suchen und die instrumenta rein und ohn Falsch ein zu Stimmen und zu intoniren, und sich also zum anfang einer guten und wol klingenden Music zu Praepariren. |
| Weil aber die Lauttenisten und die Violisten ihre Lautten und Geigen meistentheils ins G zu Stimmen anfahen, ist sehr nöthig das sie erstlich mit beiden Händen die Octaven im G völlig begreifen, darinnen ein wenig immoriren und still halten, hernacher ins D dann ins A folgens ins E ferner ins C und F fallen und fürter in einem jeden, aber mit der Lincken Hand, biß auf zween oder drey Tact still halten, ob sie gleich mit der rechten feine Läufflin, und andere Diminutiones, wie in den Tocaten gebreuchlich, mit ein bringen. | |
| So lang biß die andern ihre lauten, Violen und Geigen etc. rein eingezogen und gestimbt haben und alß denn können sie eine kleine Fugam, liebliche phantasiam oder Tocatam anfahen, Kurz abbrechen, und zum Final in dem Clave, dorinnen das Concert anfänget, fein seuberlich und allmählich schreitten damit sie mit einer guten gratia den Thon des Concerts widerumb erwischen und als dan die gantze Consort in gesambt mit vollem hauffen in Gotts Nahmen ein gut Concert, Mutet, Madrigale oder auch Patuanam zu Musiciren anfahen mögen. |
| Ein aus dermassen aber sehr grosser ubelstand und Klang ist es:, daß, wenn der Organist praeambuliret, die Instrumentisten inmittelst ihre Fagotten, Posaunen und Zincken anstimmen, und viel fistulirens und wesens durcheinander machen, daß einem die ohren darvon weh thun, und die kalten Schnuppe bekommen möchte: | |
| Sintemal es so ubel lautet, und ein rumor durcheinander machet, daß man nicht weiß, obs gestochen oder gehauen ist. | |
| Dorumb dan zumaln billich ein jeder zuvor, ehe er zum uffwarten in der Kirchen oder sonsten erscheinen muß, in seinem Losament den Zincken und Posaune fein wol stimme, und sich uffm Mundstücke ein guten Ansatz mache, darmit solcher dissonantz und ubelklang der Auditorum aures und animos nicht mehr offendiren als delectiren möge. |